Meisterschaft mit Sonnenbrand

Wenn man 3 Tage lang von Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang auf dem Bouleplatz ist, bei Spitzentemperaturen von 38 Grad, hat man eine gute Hautfarbe bekommen. Zumindest bei mir war das so, da ich mich nicht eingemummt habe, wie das die thailändischen Sonnenschutzprofis tun.

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Viele Spieler und auch Schiedsrichter sind so eingemummt, als würden sie im nächsten Moment eine Bank überfallen: dunkle Spiegelglas-Sonnenbrille, Hut mit Nackenschutz, Nase und Hals abgedeckt mit einem Tuch und die Arme geschützt durch einen „Armstrumpf”. Letzteres habe ich mir nach zwei Stunden auch zugelegt, dazu die gelbe Mütze, die alle vom Thai-Verband geschenkt bekamen. Leider waren damit die Ohren ungeschützund am Abend rot wie eine Tomate. Deshalb trug ich am zweiten Tag einen Hut von Marathon – der schützte die Ohren, aber die Nase war trotzdem im Gefahrenbereich.


Vor der dreitägigen Meisterschaft gab es erst ein informelles Meeting im Sitzungssaal des Hospitals von Rayong. 80 Minuten lang dozierte Mr. Prarop zu den Abläufen der nächsten 3 Tage. Das größte Problem: 871 Mannschaften waren gemeldet, für die es 280 Plätze gab. Es konnten also gleichzeitig nur 560 Teams spielen, der Rest musste warten. Da immer mit Zeitlimit gespielt wird, ergab das für die Organisation einen nicht ganz einfachen Job. Nach der Instruktion wurden die diesjährigen Shirts ausgeteilt an alle Helfer und Schiris.

Dann führ die ganze Kolonne ins rund 10 km entfernte KC Resort – unser Zuhause für die nächsten drei Tage.


Um 6:30 war Abfahrt zum Platz. Der wurde vom Ausrichter in Zusammenarbeit mit der Stadt extra angelegt. Man könnte auch sagen, ein Brachland wurde aufgemotzt. Das Gelände war etwa rechteckig, 27 Rai (rd. 46000 qm) groß, und die Plätze sehr anspruchsvoll. Ein Teil war einfach nur der eben planierte trockene Boden, mit Wurzeln durchsetzt und alles andere als eben. Der größte Teil hatte eine grobkörnige Splitauflage und die 4 Finalplätze waren bedeckt mit dunklem Schotter.


An drei Außenseiten waren Zelte aufgestellt, die von den Spielern in den Pausen und von den Fans immer genutzt wurden als Aufenthaltsort zum Essen, Schlafen, Reden.

An der Stirnseite war das Verpflegungsdorf aufgebaut. An gut 100 Ständen wurde gebrutzelt, gekocht, gegart damit ja keiner 2613 Sportler und gut 1000 Begleiter und Offiziellen
verhungerte. Ein Thai, der nicht alle zwei Stunden was essen kann, ist krank. Der wichtigste Stand für mich war der am weitesten entfernte: der Kaffee-Stand, der für 20 Baht einen hervorragenden Americano zubereitete. Was für die Thais das Essen, ist für mich der Kaffe – ohne ihn werde oder bin ich krank. Natürlich waren auch einige Kugelstände da oder andere, die vom Sonnenschutz bis zum Sportschuh allen anboten.


Das prächtigste an so einer Meisterschaft ist immer die Eröffnung. Gegen halb neun Uhr wurden alle zur Aufstellung gerufen. Die Spieler stellten sich auf in Reih und Glied und warteten in der Sonne. Die Schiris, Helfer, die Musik, die Abgeordneten der Stadt stellten uns zum Einmarsch auf und standen auch in der Sonne. Als sich nach 15 Minuten nichts tat, suchten wir Schatten in den Zelten.

Nach weiteren 15 Minuten erlaubte man auch den Spielern, sich Schatten zu suchen. Nach weiteren 15 Minuten begann alles von vorne – die Offiziellen der Stadt und der Provinz waren mit der üblichen Verspätung im Anmarsch und nahmen dann im VIP-Zelt auf dem Sofa beim Colonel und dem Generalsekretär platz.


Der Tambourmajor hob den Stock, die Trommel gab den Takt an und die Musik gab den Schritt an. Der Musik folgten die Fahnenträgerinnen und die beiden Hübschen mit dem Banner.

Es folgten die Leute vom Government Rayong in ihren schmucken weißen Uniformen mit je einem Pokal der der 9 Meisterschaften. Vier Mädchen trugen ein weitere Banner, an dem rund 200 Blau-weiße Luftballons befestigt waren.

Dahinter dann die Schiris, die Helfer und symbolisch für die Sportler eine Schulklasse.
Nach rund 200 m Marsch nahmen wir Aufstellung vor den Spielern.

Eine Ansagerin eröffnete den halbstündigen Redemarathon von Bürgermeister, Regierungsbeamten, Provinzhoheiten. Irgendwann dazwischen entschwebte das Banner mit den Luftballonen gen Himmel – ein schönes Bild und ein Aha-Moment, der sich gleich noch steigerte.

Nachdem 4 der VIP eine Statue der Königinmutter überreicht bekamen, zündeten das Feuerwerk und schickte mit viel Rauch und Funkenregen bunt glitzernde Luftschlangen in den blauen Himmel.


Abschluss der Zeremonie: 4 VIP durften je eine Kugel werfen, stilvoll überreicht auf einer goldenen Präsentierschale.


Es war schon 10 Uhr vorbei als der Anpfiff zur ersten Runde ertönte, viel verlorene Zeit, dia am Abend fehlte.


Wieder etwas für Statistiker.
Zu den 7 Triplette-Meisterschaft traten 871 Teams an:
Männer 206, Frauen 105, Veterans 102, Jugend bis 15männlich 91, Jugend bis 15 weiblich 55, Jugend 16 – 20 männlich 80 und desgleichen weiblich 51.
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Wie groß der Unterschied zwischen den Spielern bei den Teams bis 15 Jahren sein kann, zeigt dieses Bild. Die Thais halten sich da nich an die Einteilung des internationalen Verbandes. Gespielt wurde zuerst in Gruppen, jeder gegen jeden. Die Gruppengröße schwankte zwischen 6 und 8 Teams, je nach Teilnehmerzahl.


Jeder der Schiedsrichter hatte 10 Spielfelder zu überwachen. Ich hatte in diesem Jahr die Aufgabe des Supervisors, war also überall unterwegs und ersetzte für kurze Zeit Kollegen, die zur Toilette mussten oder Essen gingen. Auch wenn’s ums  Messen mit der Tirette ging, wurde ich gerufen.

Ansonsten war ich noch ein beliebtes Fotomotiv. Bestimmt 100 Thais wollten während der drei Tage auf einem Selfie mit mir abgebildet sein. So etwas ist mir in Deutschland nie passiert. Außerdem haben die Schiedsrichter hier einen ganz anderen Stellenwert. Da geht kein Spieler vorbei, ohne den Schiri mit dem typischen thailändischen Wai zu grüßen. Lediglich bei der alten Garde, den Veteranen, muss man sich erst Respekt verschaffen wenn sie heimlich rauchen im Zelt, auf dem Kreis stehen, auf dem Nebenfeld trainieren usw.

Kurz nach 21 Uhr war dann Ende des ersten Tages, wir aßen unterwegs noch kurz was und um 6:30 Uhr am Samstagmorgen waren wir wieder unterwegs zum Terrain, das am frühen Morgen immer so friedlich aussieht.

Jetzt mussten noch die restlichen Gruppenspiele ausgetragen werden und dann ging’s in die Finalrunde. Da war zunächst eine Poulerunde angesetzt und danach KO. Jeweils die besten 8 qualifizierten sich für das große Finale am Sonntag.
Am Sonntag hatten die Helfer das Gröbste überstanden, die 201 Teams z.B. waren auf 8 geschrumpft. Übrigens, die ganzen Helferinnen und Helfer sind ebenfalls Schiedsrichter (ausgenommen 5 mithelfende Ehefrauen), die auch schon bei der Tir-Meisterschaft mit dabei waren.

Ab 13 Uhr liefen dann die Finalspiele auf den Plätzen vor dem VIP-Zelt. Die Sieger hier aufzuzählen macht keinen Sinn, weil die meisten ja in Deutschland unbekannt sind. Bei den Frauen standen erwartungsgemäß zwei aus dem Team der letzten WM ganz oben auf dem Treppchen: Tina Wongchuchu, Nantawan Fueng Sit und Mon.

Bei den Herren ist die Konkurrenz extrem hart und da kann schon mal ein Superteam mit Weltmeister Phusa-ad im 16tel-Finale ausscheiden.

Eine Runde später war auch Endstation für die Superstars Sarawut Sriboonpeng, Suksan Piachan und Condo, ausgerechnet in einem Spiel auf Platz C, das ich leitete.

Ein kleiner Superstar, hier bestens bekannt durch seine Schießkünste in der Fernseh-Show, schaffte es bis ins Finale und wurde Vizemeisterin. Die 13jährige Fiat kann man auf youtube bewundern.


Auch das letzte Spiel des Turniers, das Finale der Herren, wurde nochmals mir zugeteilt. Eine ehrenvolle Aufgabe, die ich zu schätzen weiß. Im Spiel standen sich Navy und Airforce gegenüber. Letztere gewannen 13:3. Auch in diesem Team mit Poom einer vom Phuket Petanque Club mit dabei und auch ihm konnte ich kein Glück bringen. Aber dafür sind Schiedsrichter ja auch nicht da.
In diesem Jahr haben wir den Abschluss, die große Preisverleihung, nicht miterlebt. Unser Chauffeur machte sich, wie 95 % aller Schiris und Hefer, auf den Heimweg, meist nach Bangkok. Kurz nach 21 Uhr kamen wir dort an, fanden ein nettes Hotel in Flughafennähe und in einer Stunde werden wir zurückfliegen nach Phuket. Ich habe die Zeit des Wartens genutzt, diesen bericht zu schreiben.

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