Pétanque in Thailand

Wär hätte gedacht, dass Thailand nach Frankreich die zweitgrößte Pétanquenation ist? Dass es soweit kam, daran haben zwei Menschen maßgeblichen Anteil: Dr. Sribhumi Sukhanetr, der erste Präsident des thailändischen Pétanque-Verbandes und Präsidiumsmitglied der FIPJP sowie Prinzessin Srinagarindra, die Mutter des heutigen Monarchen Bhumibol Adulyadej.

Dr. Sribhumi Sukhanetr studierte in Paris und lernte dort das Boulespiel kennen und lieben. Er war begeistert von Pétanque und hatte die Vision, dass dieser Sport in Thailand gute Voraussetzungen finden würde. Er spielte in Thailand zunächst mit einer Gruppe Studenten, die alle in Frankreich studierten und dort Pétanque kennenlernten. Es gab da nur ein Problem, man hatte wenig Kugeln, oder zumindest zu wenig um einen größeren Kreis ansprechen zu können. Da hatte er eine Idee. Sein Freund war Polizeioffizier bei der königlichen Familie in Bangkok. Ihm gab er seine letzten 12 Kugeln mit der Bitte, sie der königlichen Familie zu übergeben und um eine Audienz zu bitten. Diese wurde ihm auch gewährt und er konnte seine Idee, seine Vision vortragen.

Jetzt kommt die Königinmutter ins Spiel. Im Alter von nur 29 Jahren war Prinzessin Srinagarindra (1900-1995) nach dem frühen Tod ihres Mannes Prinz Mahidol Adulyadej, eine junge Witwe und alleinstehende Mutter von drei Kindern. Sie lebte mit ihren Kindern noch 4 Jahre in Thailand, dann entschloss sie sich, 1933 nach Lausanne in der Schweiz umzuziehen, damit ihre Kinder dort eine bessere und angemessene moderne Ausbildung bekommen können. In dieser Zeit, in der Sie auch Ausflüge ins benachbarte Frankreich und in die Provence machte, lernte auch Sie das Spiel mit den Kugeln kennen.

Sie war eine athletische Person, und man sagt, dass sie  fast täglich Pétanque spielte bis ins hohe Alter von über 90 Jahren.

So hatte Sukhanetr eine starke Fürsprecherin und das Pétanquespiel wurde, quasi vom Königshaus empfohlen, das Spiel der besseren Gesellschaft, der Beamten, der Bänker. 1976 initiierte sie das erste Turnier und im selben Jahr wurde der thailändische Verband gegründet. 1995 steckte sie 1 Million Bath in einen Fond zur Entwicklung des Pétanque in Thailand. Sie begann mit 30 Jahren zu spielen und tat dies mit Begeisterung selbst noch mit über 90 Jahren.  Sie sagte: „Pétanque braucht weniger Investitionen als andere Sportarten. Es ist ein Sport für jedes Alter, Junge wie Alte haben gleichsam Spass daran und es ist ein Sport für jedes Geschlecht, bei dem man keine besondere physische Kraft braucht”. In ihrer direkten Umgebung am Hof organisierte sie Triplette Turniere. Offiziere und höhere Angestellte, Sicherheitsleute und Sekretäre, Arbeiter und Bedienstete  – allen war es erlaubt, mit der Königinmutter zu spielen. Von ihren Besuchen in der Schweiz brachte sie immer viele Plastikkugeln mit, die sie bei ihren Besuchen an Schulen im ganzen Land verteilte. Sie sagte, wenn Kinder Pétanque spielen, nutzen sie die Zeit gut!

Auch gibt es in Thailand beim Militär eine eigene Sportkompanie, in der Pétanque jeden Tag auf dem Dienstplan steht. Bis heute sind die Teilnehmer an den Weltmeisterschaften im militärischen Dienst.

Bei der Jugend-WM in Phuket 1999 war die Schwester des 2016 verstorbenen Königs Bhumipol Adulyadej anwesend und eröffnete mit einem Gongschlag die Spiele. Sie lies es sich auch nicht nehmen, das erste Spiel, es war Thailand gegen Frankreich, anzusehen. Insgesamt hat Thailand bis heute vier Weltmeisterschaften ausgerichtet: 1993 in Chiang Mai und 2007 in Pattaya die WM Triplettes, 1999 in Phuket die der Jugend und 2009 in Suphanburi die WM Frauen.

Thailand ist als 17. Mitglied der FIPJP beigetreten und steht heute mit über 40.000 – andere Quellen sprechen von über 80.000 – Lizenzspieler mit großem Vorsprung auf Platz 2 der FIPJP. Aber auch nach den Erfolgen rangiert Thailand hinter Frankreich auf Platz 2 mit 14 Gold-, 9 Silber- und 10 Bronzemedaillen. Daneben sehen unsere 3 Silber- und 3 Bronzemedaille recht bescheiden aus.

Im Jahr 1997, zwei Jahre nach dem Tod der Königinmutter, wurde die Asian Petanque and Sports Boules Confederation gegründet. Thailand, zusammen mit Vietnam und Laos (zwei ehemalige französische Kolonien), gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Heute sind außerdem Kambodscha, Singapur, Malaysia, Pakistan, Iran, Japan, Indien, Bhutan und Indonesien Mitglieder.

Auch zwei große Kugelhersteller gibt es in Thailand: La Franc Boules – die billigste aller von der von FIPJP-zugelassenen Wettbewerbskugeln, werden in Bangkok von der FBT Sports Company hergestellt. FBT (www.fbtsports.com) ist einer der wenigen Hersteller von offiziell sanierten Pétanque-Boules außerhalb Frankreichs und bekannt für seine exzellente Sportkleidung. Seit einigen Jahren macht Marathon mit Kugeln und Sportkleidung als zweiter Anbieter auf sich Aufmerksam. Ich spiele seit 2007 bzw, 2009 mit beiden Kugeln und bin mehr als zufrieden.

Ein sehr schönes Video von FT1 in französisch auf youtube über Pétanque in Thailand.